Erinnerungen an „Perlenau“ als FarbholzmĂŒhle und SĂ€gewerk


Der Arbeitskreis „Höfener Dorfgeschichte“ hat sich mit dem handgeschriebenen Bericht des letzten Besitzers Carl MĂŒller ĂŒber die FarbholzmĂŒhle und das spĂ€tere SĂ€gewerk von „Perlenau“ beschĂ€ftigt. Er schrieb im Juli 1957:

In Höfen sagt man zu denen, die auf Perlenau beschĂ€ftigt waren: „…hae ös om Bromlsau“! Dieser Name kommt sicherlich von der „Bromelslei“, dem Felsen in der DĂŒsterheck neben Perlenau, gegenĂŒber Heukemes.

Das zu verarbeitende Blauholz kam aus Amerika, es sah aus wie Eichenholz. Dieses wurde in SpĂ€ne geschnitten, in einem MĂŒhlgang wurde aus diesen SpĂ€nen ein mehlhaltiger Staub. Diesen Staub nannte man „Kalliatur“, mit dem die Wolle auf kaltem Wege gefĂ€rbt wurde (so benannt nach dem roten Sandelholz). Nach Stilllegung der MĂŒhle etwa um 1880 wurde mit dem Bau eines SĂ€gewerkes begonnen, das den Firmennamen „J.M. MĂŒller jr.“ trug. Auf dem Bild aus dieser Zeit sind folgende Arbeiter zu sehen:

Im Schlitten sitzend: Egidius Jansen (KnĂŒlle Jelles), Peter Förster und Johann Förster, beide aus Rohren, sie waren an der DellsĂ€ge beschĂ€ftigt. Vor dem Schlitten stehend: Johann Rade (Juseps Johann), er war Meister; Matthias Rader (Schloff Mattes), Johann Roder (KĂŒsselches Johannes),

Arbeiter vor dem SĂ€gewerk J.M. MĂŒller um 1880

Johann Kirch (et KĂ€ppche), Egidius Roder (KĂŒsselches Jelles). Vor dem Schlitten sitzend: Johann David (Davids Johann), Peter Rader (Jemende Pittche)

                                      

 

 

 

 

Die DellsĂ€ge wurde zuerst in Betrieb genommen und zwar „in der Kuhl“ = einem Keller, auf dem zwei schwere Balken lagen. Auf diesen Balken wurde der Eichen- oder Buchenstamm gelegt, dann stand ein Arbeiter mit einer langen SĂ€ge oben auf dem Stamm, der andere unter dem Stamm und so schnitten die beiden aus der Eiche oder der Buche 4 cm starke Bohlen. Außer den beiden aus Rohren haben Jos

Höfener Arbeiter in spÀterer Zeit auf dem Perlenau

ef, Paul und Johann Förster (de Liene) auf der DellsĂ€ge gearbeitet – Josef war Jahrzehnte auf Perlenau und er war spĂ€ter Meister.

 

 

 

 

 

Ferner war der „alte Carl Kirvel“ mit seinen Söhnen Peter, Alois und Franz ein Menschenalter auf der Au. Alois war Fuhrmann, viele andere Fuhrleute sind von Perlenau aus Postillion geworden. Der Ă€lteste Fuhrmann, der bei uns bis zu seinem Lebensende war, hieß Arnold Jakobs (KĂŒsselches Nöll), weitere Fuhrleute waren: Johann Nellesen (mos), Johann Theißen (Schusters Johann) Josef Hames, Josef Dosquet (dr Welch).

Bei der GrĂŒndung des SĂ€gewerks J.M. MĂŒller Jr. Schnitt mein Vater die zwei ersten Eichen-Balken fĂŒr eine Kreuz, das an der schönsten Stelle in Perlenau aufgestellt wurde. Bei der Stilllegung schnitten mein Bruder Hugo und ich die zwei letzten Balken auch fĂŒr ein Kreuz und schraubten dies auf das alte Kreuz, das heute noch an derselben Stelle steht.

Kreuzes-Inschrift:

„Zum alten Kreuz aus erstem Holz errichtet,
war jetzt das Holz aus letztem Schnitt gefĂŒgt,
und MĂŒllers Haus, dem hohem Kreuz verpflichtet,
weil Gottes Aug als Wacht bestĂ€ndig drĂŒber liegt.
Noch steht das Kreuz und leuchtet in die Weiten,
viel frohe Menschen Berg und Tal durchschreiten.
Auf der schönen Perlenau!
Ist`s wert vergnĂŒgt zu sein,
drum will ich bis ich Asche werde
mich dieser leiben Heimat freuen.

Und hat uns Todesweih und wund,
des Schicksals harter Faust zerrieben,
wir wollen in der schwersten Stund
die Heimat um so tiefer lieben“.