Berufe und Handwerke in Höfen

 

Im Rahmen des Themas Handwerke in Höfen trug der AK folgende Informationen zusammen:

Allgemeine Vorbemerkung: Bei der Beschäftigung mit o.g. Thema stellte sich heraus, dass eine Begrenzung auf handwerkliche Betriebe im Ort sinnvoll ist. Darüber hinaus erwies sich die Anwendung der heute gebräuchlichen Begriffe Meister, Lehre und Geselle auf die in handwerklichen Betrieben Tätigen als schwierig; denn bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts hatten die Handwerker häufig keine Lehre nach heutigen Maßstäben mit Berufsschule und Ausbildung in einem Meisterbetrieb absolviert. Vielmehr erfolgte die Lehre oft ausschließlich in der praktischen Anwendung des Handwerks. Nach langjähriger Erfahrung in einem handwerklichen Beruf war es möglich, in den Rang eines sog. Altmeisters aufzusteigen, ohne eine heute übliche Meisterprüfung mit vorangehendem Besuch eines Meisterlehrgangs abzulegen.

Die Lage der einzelnen Betriebe zeigen die beigefügten Karten (auf sie verweisen die im Text verwendeten Nummern), die im Text angeführten Hausnummern entsprechen dem Stand von 2004.
 

 

1. Stellmacher:

Stellmacher Hubert Theißen (1a). Er arbeitete in seinem Elternhaus, Lämmchesgasse neben Hausnr. 13, ab ca. 1900 als Stellmacher, bis in die 50er Jahre.
 
Gerätschaften: Beschlagbeil (Schraak) (noch im Haus Seebend zu sehen, sonstige typische Gerätschaften finden sich noch im Anbau der Gaststätte Küpper in Widdau), Wagenmesser, Raspeln, Schneidemesser, Handhobel, Schlichthobel, Drechselmaschine, nach ca. 1935: elektrischer Hobel (nach Elektrifizierung von Höfen ca. 1924/25), Gattersäge, Ziehbock, Ziehmesser.
Material: Eichenholz (Wachstum entscheidend für Verwendung), besonders hartes Holz
Produkte: Wagenräder, Karrenräder, Schlitten, Pferdeschlitten, Schörreskaare, Schneepflüge, Ochsenladen, Schlagkarren
Kundschaft:
Bauern, Gemeinde.
Arbeitsgänge: Zeichnungen herstellen, Schablonen erstellen, Hobeln, Sägen, Raspeln, Schärfen, Schleifen, Zapfen (statt Nageln)

Stefan Jansen: wohnhaft und tätig im Haus Mayer gegenüber der Feuerwehr, nach dem Krieg neben Hubert Theißen, Lämmchesweg (1b)

2. Schmiede:

Josef Kleiner (Floriänsche) Die Werkstatt befand sich gegenüber dem Friedhof (Schmiedegasse 3) (2a), dort waren später tätig: Franz Jansen und Sohn Fritz Jansen. Später (ca. 1950) wurde die Werkstatt verlegt ins heutige Haus Franz Jansen (Schmiedegasse 4) (2c), Herstellung von: Eggen, Pflüge, Hufeisen, Schubkarren, Ketten, Beschläge (Karren, Haustüren)

Hubert Theissen/Schmiede Theißen, Hauptstrasse 26/28,neben Gaststätte Vennblick (2b):

Dazu berichtet Margarete Theißen: Die Schmiede Theißen hat schon vor 1900 bestanden und wurde von Karl Theißen, dem älteren Bruder von Alois Theißen, geführt. Dieser, der Vater von Margarete Theißen, war 1881 geboren und hat in der Schmiede Hermanns in Monschau gelernt. Nach mehreren Gesellenjahren in verschiedenen Betrieben hat er dann nach Ablegung der Meisterprüfung zusammen mit seinem Bruder Karl und seinem Bruder Hubert, der Stellmacher war, den Wagenbau und die Beschlagschmiede geführt. Die Werkstatt befand sich bis 1914 auf dem Grundstück Hauptstrasse 28 (dem heutigen Wohnhaus von Margarete Theißen). Die Räume im 1. Stock waren vermietet. Karl Theißen starb 1907 ziemlich jung. Alois Theißen heiratete 1914 und hatte vorher die Werkstatt viel größer mit 2 Toren und Söller auf dem Grundstück Hauptstrasse 26 errichten lassen. Das Gebäude Hauptstrasse 28 wurde dann ganz zu Wohnzwecken umgebaut. Nachdem im 2. Weltkrieg beide Gebäude total verbrannt waren (durch Beschuss), wurde das Wohnhaus Hauptstrasse 26 mit einer kleinen Werkstatt auf den Fundamenten der verbrannten Werkstatt errichtet. Alois Theißen starb 1947. Der Bruder von Margarete Theißen, Hubert Theißen, hat noch einige Jahre das Handwerk weitergeführt (wohl bis ca. 1970). Infolge der Technisierung war das Schmiedehandwerk nicht mehr aktuell. Der Schmied Franz Jansen hat bei Alois Theißen gelernt und war mit seinen Gesellenjahren insgesamt 12 Jahre dort tätig. Er hieß im Haus Theißen immer „unser Franz“. Auch der ehemalige Höfener Bürgermeister Josef Theißen hat u.a. im Betrieb Alois Theißen gelernt. 

3. „Bäcker“:

Vorbemerkung: Es ist korrekter, bei diesen handwerklichen Betrieben davon zu sprechen, dass Brot hergestellt und verkauft wurde, selten von gelernten Bäckern im heutigen Sinne. Verkaufsräume waren oft einfache Zimmer im Haus, die Lagerung der Backwaren erfolgte oft in der Backstube selbst.

Kirch (Earelsches), heute Ochsenweide 11 (3a), neben Haus Ferdi Kirch. Die Bäckerei bestand bis ca. zum 2. Weltkrieg. Laut Margarete Theißen war das Haus ein Kolonialwarengeschäft bis zur Flucht 1944. Dazu Margarete Theissen: Die Bäckerei Kirch wurde nicht mehr in Betrieb genommen nach Kriegsende, weil der Bäcker Karl Kirch im Krieg vermisst wurde. Zu Earelsches Bäckerei ist noch eine Besonderheit zu sagen: Dort wurde extra gutes Gemischbrot nach einem geheimen Rezept gebacken. Es hieß Earelsches Mek und wurde in alle Himmelsrichtungen verschickt.

Oma Gehrig, geb. Kirch, die Letztlebende von Earelsches, wohnhaft in Gladbeck, hat mir jetzt noch erzählt, dass sie viele Jahre lang den Mek an unseren ehemaligen Pfarrer Grimmendahl, wohnhaft in Konstanz am Bodensee, verschickt hat.

Schmiddem (Bruetpitte), Hauptstrasse 102 (3b), neben Haus Rudolf Förster. Von hier aus erfolgte auch Hauslieferung von Brot mit einem Pferdegespann

Prümmer, Josef gegenüber Hotel Prümmer, Hauptstrasse 88 (3c) im sog. Bäckesje,

daraus ging die damalige Bäckerei Werner Prümmer unterhalb des Hotels Prümmer hervor. Diese existierte bis ca. 1980, und es gab eine Filiale (Auslieferungsstelle) im Haus der Geschwister Rader, Heidgen (Hedsches). Zu dieser Bäckerei bemerkt Margarete Theißen: Prümmers Bäckesje war das Backhaus vom Großvater, Vater Josef und Onkel Johann von Werner Prümmer. Johann Prümmer hatte später die Bäckerei Poleckein Lammersdorf. Josef Prümmer erbaute dann Mitte der 20er Jahre die neue Bäckerei (Hauptstrasse 84) (3k), mit einem umfangreichen Kolonialwarenangebot. Ich kann mich erinnern, dass Johann Schmiddem (Henns Johann, Vater von Reinhold Schmiddem) mit dem eigens dafür hergestellten Pferde-Brotwagen die Kunden besuchte.

Ludwig Pauls (Jüeseppsches), Triftstrasse 3 (3d) Der Besitzer war Vorsitzender des Liederkranzes (vor dem 2. Weltkrieg). Das Haus befand sich an der Ecke Hauptstrasse/Triftstrasse: Vor 1900 befand sich im Gebäude eine Tuchfabrik, dann eine Bäckerei. Die Bäckerei wurdenach dem 2. Weltkrieg nicht mehr betrieben, dazu wieder Margarete Theißen: Das gesamte Haus Pauls war ursprünglich eine Tuchweberei (lange vor 1900). Die Familie Pauls gehörte zu den Monschauer Tuchfabrikanten. Ein kleiner, separater Bau an der Triftstrasse wurde das Färvers genannt, diente also ursprünglich als Färberei. Im Jahr 1962 wurde das gesamte Gebäude infolge Brandstiftung ein Raub der Flammen.

Stefan Pauls, Hauptstrasse 50, (3e). Er war ein Bruder von Ludwig Pauls. Das Haus lag zwischen Helmut Kirch und der Sparkasse, gegenüber dem Parkplatz an der Kirche (Adolf Pauls (Drops)).

Josef Kirch (Alt Mick ???), Hauptstrasse 51 (3f). Der Besitzer war der Opa von Eduard Kirch.

· Familie Thomas (Kerschpitte). Das Geschäft betrieb kurzfristig später der Neffe Ewald Carls, Weiherstrasse 34 (3g), gegenüber Konsum). Dieser gründete dann das Spargeschäft Ecke Triftstrasse/Weiherstrasse.

Kaulartz, Leo im Haus von Paul Kaulartz Hermesstrasse 3 (3h), bis zum 2. Weltkrieg.

Kirch, Max, Alzerstrasse 31 (3i),Vorgänger: Josef Melchior (im 2. Weltkrieg gefallen). Das Geschäft hatte eine Auslieferungsstelle im heutigen Haus Offermann, Hauptstrasse/Ecke Auf der Schlad (später Edeka).
                                                            Pauls Paul (Buutze), Alzen auf dem Büchel (Kauferberg 8) (3j), wo heute noch im Keller der Backofen erhalten ist.

4. Schuhmacher:

Heinrich Müller, Auf der Schlad 10 (4a). Heinrich arbeitete im Nebenerwerb (neben Landwirtschaft)

Heinrich Pauls, Kappersweg 3 (4b). Heinrich arbeitete im Haupterwerb. Das gesamte Inventar wurde 2004 als Leihgabe an den Heimatverein übergeben.

Stefan Pauls (Buutze), Hermesstrasse 3 (4c). Die Werkstatt befand sich im jetzigen Haus Haus Hubert Jansen

Fritz Schmiddem (Henns Fritz), Wiesengrund 2 (4d). Fritz war ein „echter“ Schuster, mit Werkstatt im Erdgeschoss

Oskar Klein, seit 1946 in Höfen wohnhaft, tätig bis 2001 in der Werkstatt von Heinrich Pauls

  • · Zum Thema Schuster/Schuhmacher schreibt wiederum Margarete Theißen: Vor Heinrich Müller und den meisten genannten Schustern war Beschoffs Alois (Rader) im Höfener Unterdorf Schuster. Ihm gehörte das Haus Bruchweg 2 (Hugo Ungermann) (4e). Er lebte mit 2 unverheirateten Schwestern zusammen. Karl Schreiber (Vater von Laurenz Schreiber hat mit ihm geschustert und später das Haus geerbt (Alte Werkzeuge durch Erben dem Heimatverein geschenkt.) Dann gab es noch den ganz alten Schuster Johannes Theißen. Er starb 95-jährig. Er fiel die Kellertreppe hinab und war sofort tot. Er wohnte im Haus jetzt Hauptstrasse 25.
  • · Schusters Nies gegenüber Schmiede (Schmiedegasse ?) (4f), eine Schwester von Johannes Mießen
  • · Schuster Pitt, Hermesstrasse 2 (4g), (heutiges Haus Vinzenz Pontzen). Dieser Schuster arbeitete noch vor 1900. Es geht die Legende, dass dieser Schuhmacher sogar Reitstiefel für Kaiser Wilhelm II hergestellt hat.

5. Schlachter/Metzger

Vorbemerkung. Auch hier gilt die gleiche Einschränkung des Begriffes Metzgerbetrieb/Metzger wie im Falle der Bäcker(eien), d. h. oft handelte es sich nicht um gelernte Metzger, sondern um versierte Schlachter (keine Überraschung bei einer Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe im Ort bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts).

August Pauls, (zwischen Kirche und Kerkmann), (5d). Er arbeitete mit Sohn Alois und führte Hausschlachtungen gegen Entgelt durch.

Alfons Kirch, Waldstrasse 5 (5g) aus Widdau stammend

Ferdinand Jakobs (Stübbe Ferdinand), Nießenstrasse 13 (5f)

Franz Kaczmarek, Hauptstrasse 37 (5b) am heutigen Standort. Dazu wieder Margarete Theißen: Franz Kaczmarek war bei Frl. Mariechen Pauls (Jüeseppsches) als Kriegsgefangener tätig und wohnte auch dort. Er stammte aus der Provinz Posen und sprach sehr gut Deutsch. Weil er sich wirklich für das alleinstehende Frl. Pauls - der Knecht Leo Schmitz aus Monschau wurde Soldat - einsetzte, schenkte sie ihm nach dem Krieg, als er in Simmerath auftauchte, zum Dank die Baustelle an der Hauptstrasse.

Franz Schröder (von Schröders Eck, Simmerath), im Haus von Adolf Pauls (Dropps) (Parkplatz Kirche) (5c), in den 50er Jahren

Günther Kirch, Hauptstrasse 13 (5a). Günther betreibt heute die Grillstube Kirch und lernte bei Kaczmarek

Alfred Jansen, Hauptstrasse 84 (5e), der kurze Zeit im Gebäude der Bäckerei Werner Prümmer ein Haxenhaus betrieb (80er Jahre)

6. Schreiner:

Alois Förster (Kunstschreiner) jetzt Haus Triftstrasse 63 (6g). Alois arbeitete v. a. an Schnitzereien (bis zum 2. Weltkrieg)

Karl Pauls (Jereds Karl), Weiherstrasse 2 (6c). Seine Schreinerei existierte höchstens bis zum 2. Weltkrieg

Peter Braun: Am 1.5.38 kaufte er das Haus Weiherstrasse 3 (6b) . Er starb 1983, Mitarbeiter waren u.a.: Gustav Derwisch, Hubert Schneider, Erich Braun, Günther Kirch, daraus sind hervorgegangen als Selbstständige: Robert Theißen, Josef Peters (Rohren), Franz Sourbrodt (Kalterherberg)

Hermann Thomas (Kerschhennesches Herm), Hauptstrasse 96 (6d), Er war Sargmacher, wohl nicht mehr nach dem 2. W.krieg, nach dem Krieg wurde das haus eine Weberei.

Peter Lauscher, im Haus von Scheffes Tejsse Deck (Hauptstrasse 126) (6f)

Robert Theißen, Hauptstrasse 68 (6a). Robert war zuerst tätig neben seinem Elternhaus Lämmchesgasse,, selbstständig ab den 60er Jahren für ca. 30 Jahre, Mitarbeiter u.a.. Gustav Derwisch, Karl Küster, Hermann Bongard, Manfred Sories

Wilhelm Förster, im Querbau der Gaststätte Förster, Schmiedegasse 17 (6h). Er war der Bruder von Josef Förster, Sohn von Johann Peter Förster)

Walter Arnolds, Hauptstrasse 124 (6e). Er begann seine Tätigkeit im Brüchelchen in den 50er Jahren, später gab es einen Möbelverkauf im Gebäude Hauptstrasse 124.